Ende für zentrale Kanalnetze
Uckermark. Die letzte zentrale Abwasserentsorgung wird vermutlich 2007 in Flemsdorf gebaut. Das ist das Ergebnis eines überraschend veränderten Abwasserkonzeptes des Zweckverbandes Ostucker- märkische Wasserversorgung und Abwasserbehandlung (ZOWA). Der Vorschlag der Geschäftsführung wurde bereits im Vorstand bestätigt und muss im Dezember noch von der Verbandsversammlung beschlossen werden.
In Kerkow pfeifen es die Spatzen schon von den Dächern. Der bereits angekündigte Anschluss des Dorfes an ein zentrales Abwassernetz wird vermutlich nicht gebaut. Die zurzeit begonnenen und laufenden Projekte in Günterberg und Blumenhagen gehören zu den letzten Investitionen dieser Art, die der Zweckverband durchführt. Im Jahr 2007 soll nach dem jüngsten Vorstandsbeschluss nur noch Flemsdorf an das Schwedter Kanalnetz angebunden werden. Danach gibt es auf den bislang nicht erschlossenen Dörfern nur noch Kleinkläranlagen, abflusslose Sammelgruben oder ähnliche dezentrale Lösungen für die Hausgrundstücke.
Mit der aktuellen Überarbeitung der Abwasserkonzeption aus dem Jahr 2002 reagiert der ZOWA auf die Bevölkerungsentwicklung in der Ostuckermark und auf den zunehmenden Kostendruck. "Wir mussten eine Lösung finden, die uns in die Lage versetzt, Entscheidungen zu treffen", sagt Verbandschef Horst Schmidt. Denn Fördermittel für den Bau zentraler Anlagen wird es auch in Zukunft nicht mehr geben. Würde der ZOWA weiter an der Erschließung der kleinen Orte festhalten, wäre die Preisentwicklung nicht mehr überschaubar. Die Gebühren müssten steigen. Der Aufwand in dünn besiedelten Regionen ist einfach zu teuer.
Den Ausschlag für die veränderte Konzeption gab die so genannte Abwasserabgabe, die jeder Entsorger an das Land Brandenburg für die Einleitung der geklärten Wässerchen zahlen muss. Die konnte bislang mit den Investitionen der Verbände verrechnet werden. Damit ist jetzt Schluss. Für den ZOWA heißt das: zusätzliche Kosten neben den ohnehin anfallenden Eigen- anteilen für die Erschließung.
"Eine Preissteigerung wollen wir verhindern", erklärt Horst Schmidt die Unternehmensstrategie. Nach jetzigen Berechnungen aller Kosten bleiben die Trink- und Abwassergebühren im gesamten Verbandsgebiet auch in den nächsten drei Jahren konstant. Möglich wird das auch durch zinsgünstige Umschuldungen von Krediten.
Etwa 55 000 der insgesamt rund 70 000 Einwohner der Ostuckermark (einschließlich der Städte Angermünde und Schwedt) sind an zentrale Abwassernetze angebunden. Damit liegt der Anschlussgrad bei 82 Prozent. Vor wenigen Jahren waren es bereits 86 Prozent.
Das zeigt die schwierige Lage: Obwohl der ZOWA in der Vergangenheit riesige Investitionen tätigte, nahm der Anschlussgrad durch den Bevölkerungsschwund in den Städten ab. Hinzu kamen steigende Energiepreise. Und die Gegenwehr von betroffenen Anliegern auf den Dörfern wächst. Je größer das Grundstück, desto höher der Anschlussbeitrag für eine zentrale Abwasserentsorgung. Hier rechnet sich unter Umständen die bisher praktizierte Abfuhr durch Fäkalienfahrzeuge auch in der Zukunft.
In den kommenden Wochen und Monaten wird der Zweckverband die Ortsbeiräte über die veränderte Konzeption informieren. Damit können Häuslebauer von vornherein ihre Gruben oder Kleinkläranlagen planen. Bei alten Sammelgruben müssen Grundstücksbesitzer selbstständig für einen sicheren und vor allem dichten Zustand sorgen. Differenzen zwischen der abgenommenen Trinkwasser- und der abgefahren Abwassermenge werden überprüft. "Der Rücklauf aus den Gruben hat sich allerdings wesentlich verbessert", bestätigt Jens Arnold vom Zweckverband.
Die erneuerte Abwasserkonzeption dürfte angesichts der dünnen Finanzlage vieler privater Haushalte besonders auf dem Land für Zustimmung sorgen. Sie ist derzeit aber noch nicht beschlossen, betont ZOWA-Chef Horst Schmidt. Das abschließende Votum gibt die Verbandsversammlung im Dezember.
Samstag, 08. Juli 2006 (16:52)








